Newsletter #72 - Marktbreite, 500-Milliarden-Dollar-Wette und die Wildcard Grönland
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Hi, Peter hier.
In dieser Woche schauen wir auf ein seltenes technisches Signal, die ungebrochene Ausgabefreudigkeit der Tech-Giganten und eine Aktie, die trotz Rekordjagd immer noch Insider-Käufe anzieht.
1) Marktbreite: Ein Signal mit Seltenheitswert
Lange Zeit wurde die Rallye nur von einer Handvoll Tech-Giganten getragen. Das scheint sich langsam zu ändern: Zum ersten Mal seit 2024 notieren knapp 70% der an der New York Stock Exchange (NYSE) gelisteten Aktien über ihrem 200-Tage-Schnitt – ein Signal, das die breite Stärke innerhalb des S&P 500 widerspiegelt.
Warum das wichtig ist: Wenn sich die Marktbreite nach einer langen Durststrecke so massiv ausweitet, ist das meist ein Zeichen für ein gesundes Fundament. In der Vergangenheit stieg der S&P 500 in 100% der Fälle (auf Sicht von 12 Monaten), nachdem dieses Signal auftrat. Der durchschnittliche Gewinn nach einem Jahr? Beeindruckende 18,9% und in keinem der 6 Fälle mit einer negativen Rendite. Die bisherige Historie ist also auf der Seite der Optimisten.

2) Hyperscaler in 2026: Die 500-Milliarden-Dollar-Wette
Die seit einiger Zeit beliebteste Frage an der Börse: "Wann findet der KI-Trend ein Ende?"
Ein Blick auf die Investitionspläne (CAPEX) der Hyperscaler (Microsoft, Amazon, Google, Meta, Oracle) lässt vermuten: Vorerst gar nicht.
Laut aktuellen Schätzungen der Bank of America (BofA) werden die Ausgaben u.a. für Rechenzentren und KI-Infrastruktur im Jahr 2025 auf ca. 400 Mrd. $ steigen (die genaue Zahl erfahren wir, wenn die Unternehmen bald ihre Ergebnisse für das vierte Quartal 2025 vorlegen). Für 2026 werden sogar 514 Mrd. $ erwartet – ein Plus von 30% gegenüber dem Vorjahr. Diese Unternehmen investieren nicht aus einer Laune heraus; sie bauen das Rückgrat der globalen Wirtschaft von morgen. Solange diese Investitionslawine rollt, bleibt der fundamentale Rückenwind für den Halbleitersektor bestehen.

Auffällig: Trotz neuer Rekordsummen verliert die Investitionsdynamik leicht an Schwung. Während das Budget 2025 noch um gewaltige 155 Mrd. $ aufgestockt wurde, fällt das Plus für 2026 mit "nur" noch 119 Mrd. $ etwas moderater aus.
3) Micron Technology: Struktureller Gewinner oder zyklische Falle?
Einer der größten Profiteure dieser Ausgabenschlacht ist Micron Technology (Marktkapitalisierung: 400 Mrd. $).
Warum?
Jeder KI-Server, den Microsoft, Amazon oder Google bauen, benötigt nicht nur teure GPUs von Nvidia, sondern auch massive Mengen an HBM-Speicher. Tatsächlich hat Micron angekündigt, dass seine HBM-Kapazität für das gesamte Kalenderjahr 2026 bereits ausverkauft ist
Nachdem die Aktie 2025 um >200% anstieg, konnte sie auch in den ersten Januartagen 2026 bereits wieder um >20% zulegen.

Trotz der Rekordkurse hat ein Director (Liu Teyin M.) diese Woche für rund 7,8 Millionen Dollar eigene Aktien des Unternehmens gekauft. Mutig... Oder doch nicht?

Hier wird es interessant: Micron war historisch ein Paradebeispiel für eine zyklische Entwicklung. Der Speicherchip-Markt durchlief regelmäßig Boom-and-Bust-Zyklen, getrieben durch Überkapazitäten und anschließenden Preisverfall. Das trieb die Aktie von Micron dann wieder in den Keller.
Die entscheidende Frage: Ist es dieses Mal anders und kommt es stattdessen zu einer strukturellen Nachfrageverschiebung durch KI?
4) Die "Wildcard" Grönland
Während die Wirtschaft und Börse floriert, sorgt wieder mal die US-Politik für Unruhe: Donald Trump hat seine Ambitionen zum Kauf von Grönland erneuert. Neu ist die Schärfe: Ländern, die sich gegen diesen Erwerb aussprechen, droht er mit massiven Zöllen.
Was zunächst wie ein diplomatisches Kuriosum klingt, könnte für die Märkte relevant werden, falls es die Handelsbeziehungen zur EU belastet. Bisher ignoriert der Markt diese Rhetorik weitgehend, doch die "Zoll-Keule" bleibt ein Unsicherheitsfaktor für die Börsen.
Fazit für die Woche: Die technische Basis des Marktes ist so stark wie lange nicht mehr. Die massiven Investitionen der Tech-Giganten stützen die Halbleiterbranche. Trotz geopolitischem Rauschen bleibt der Trend – angeführt von Werten wie Micron – klar aufwärtsgerichtet.
Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Samstag.
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